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Hunde im Revier – das sorgt für Stress, schlechte Laune und reichlich Ärger. Ein Jäger aus Lüneburg geht neue Wege…

Veröffentlicht am 03.06.2011 von Philip Alsen

m. Baumann

Ein langer Spaziergang im Wald, ein nettes Gespräch, ein paar unaufmerksame Momente … – plötzlich Hetzlaute, ein Rascheln im Busch und das war‘s: der Hund ist weg. Hinein in den Wald, mit „Juchheisa“ und lautem Gekläffe einem Reh hinter. Ein Terrier auf Abwegen. „Und nun?“, fragt mein Gegenüber. „Nun ist Mist!“, sage ich und ärgere mich. Ich bin Jäger. Ich weiss wie blöd die Situation ist. Ich kenne die Brut- und Setzzeiten, ich hab schon Rehe gesehen, die mit gebrochenem Genick im Zaun hingen oder die der Hund gepackt hat. Ich weiss das alles, und trotzdem stehe ich jetzt hier. Weil der Hund auch mal laufen muss, und ich mich oft ablenken lasse. Und auch, wenn es keine Entschuldigung ist: Der einzige bin ich nicht …

„Kommt er von allein wieder?“, fragt mein Gegenüber. „Klar“, sage ich.„Irgendwann. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass vorher ein Jäger kommt.“ Wir haben Vollmond. Wäre ungewöhnlich, wenn niemand imRevier wäre. „Und dann?“ „Dann gibt‘s Stress. Jäger hassen Hundehalter wie mich.“

Wenn man vom Teufel spricht: Ein paar Minuten später rollt ein grünerWagen den Weg  herunter. Jagdschutz-Schild hinter der Scheibe, ernst dreinblickender Mann am Steuer: „Moin, ich heiße Weber und bin hier der Jäger. Ist das Ihr Hund, der da die Rehe scheucht?“ Weglaufenhat keinen Sinn, also tief einatmen,  Augen zu und durch: „Ähhh, ja,“, stammele ich kleinlaut. „Tut mir leid, hab‘ nicht aufgepasst.“ „Hmmm,sieht man.“, brummt der Mann und schiebt hinterher: „Der Hund ist nicht  schuld, Sie sind es. Wenn Sie häufiger hier sind, lesen Sie sichdas doch mal durch.“ Er reicht eine Visitenkarte aus dem Fenster: „Is‘ne Internet-Adresse. Und jetzt noch viel Spaß beim Warten auf den Hund. Schönen Tag noch.“

Wie bitte? Kein Gebrüll? Keine pochende Halsschlagader und keine Drohung, den Hund zu erschießen? Nein, nichts von alledem. Etwas verdattert, aber enorm erleichtert sehen wir dem den Waldweg hinunter rollenden Auto hinterher.

Abends klingelt das Telefon. Es ist mein Spaziergeh-Partner vom Nachmittag: „Herrn Weber find ich gut!“, beginnt er das Gespräch.„Warum? Weil er uns nicht den Hals abgerissen hat?“ „Das auch, in erster Linie aber, weil ich auf seiner Internetseite wirklich was gelernt habe. Klick mal auf http://www.unser-revier-bruchtorf-ost.de. Ich bin jetzt schlauer…“

Also werfe ich den Rechner an – lese kurz darauf, was alles passieren kann. Mit Rehen, durch Schweine, durch Krankheiten. Informativ und freundlich. Tenor: Wenn jeder dem anderen entgegenkommt, weiß worum es geht und ein bisschen Rücksicht nimmt, läuft‘s besser. Was ist das denn? Ein moderner Jäger?

Am nächsten Tag rufe ich Herrn Weber an. Der freut sich über die Reaktion und beginnt zu erzählen: Jahrelange hätt‘s auch zwischen ihm und den Hundebesitzern immer wieder Zoff gegeben. „Wenn ich kam, sind sie abgehauen, hab‘ ich sie erwischt, haben wir uns angebrüllt. Irgendwann war ich‘s leid. Ich bin da schließlich Jäger, kein Hausmeister.“ Die Internetseite hätte geholfen. Er kann was erklären, der Ton ist freundlich, „und als ich das erste Mal freundlich von einer Spaziergängerin mit Hund gegrüßt wurde, wußte ich: Wir sind auf dem richtigen Weg!“

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3 Kommentare

  1. Christoph sagt:

    Ein interessanter Artikel, der seinen besonderen Wert durch den Hinweis auf den Link (tatsächlich: http://www.unser-revier-bruchtorf-ost.de/revier/index.html) erhält.

    Ich habe mich mit der Internetpräsenz auseinandergesetzt. Wirklich interessante Aspekte liefern drei Unterseiten, die ich auszugsweise zitiere:
    http://www.unser-revier-bruchtorf-ost.de/revier/hundekatzen.html
    Zitat: „Hunde müssen auf frischer Tat ertappt werden: Ist er von zu Hause weggelaufen oder beim Spaziergang entwischt und läuft jetzt im Revier herum, dann ist das kein Wildern (auch wenn rechts und links die Rehe aus dem Wald springen). Hunde wildern laut Gesetzgeber erst, wenn sie einem Tier auf den Fersen sind und es reißen – und selbst dann darf ein Jäger sie nicht einfach erschießen. Es könnte schließlich sein, dass sich der Hund „nach erkennbaren Umständen nur vorübergehend der Einwirkung seines Herrn entzogen hat“.“

    http://www.unser-revier-bruchtorf-ost.de/revier/schiessen.html
    Zitat: „Wie bei allen Dingen, an denen Menschen beteiligt sind, gibt es auch bei der Jagd „sonne“ und „solche“. Ja es stimmt, manche wollen nur schießen. Es gibt wohl auch solche, die, wenn sie auf den Hochsitz klettern, „Machtgefühle“ haben und sich als „Herr über Leben und Tod“ fühlen. Das Problem ist, die Jagd zieht Menschen verschiedenster Couleur an, und glauben Sie uns, am meisten wundern sich darüber die Jäger selbst.“

    http://www.unser-revier-bruchtorf-ost.de/revier/reden.html
    Zitat: „… ja, es stimmt, mit manchen Jägern kann man wirklich sehr schlecht reden. Gründe dafür gibt es viele: die Persönlichkeit und das Talent zur Kommunikation spielen bestimmt eine Rolle …“

    Nach 20 Jahren „gelegentlicher Ausritte durch den Wald“ und 25 Jahren „Spazierengehen mit einem Hund durch den Wald“ würde ich mir wünschen, dass diese Internetpräsenz zur Pflichtlektüre für Jäger wird. Ich persönlich habe doch eher negative Erfahrungen mit Jägern (nicht Förstern) gemacht.

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  2. Den/einen Dialog zu wählen, ist immer einen Versuch wert, diese Homepage ins Leben zu rufen ebenso. Ich habe den Link via facebook & Co. weitergespielt. Gleiches wird beispielsweise auch auf http://www.hegering-gartow.de versucht. Auf diese Seite schauen mittlerweile auch viele Nichtjäger.

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