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Geocaching – moderne Schatzsuche in der Natur

Veröffentlicht am 12.05.2011 von Ludwig-Simon

Wird Geocaching ein neuer Volkssport? Die Zahlen der Fangemeinde und der caches steigen jedenfalls sprunghaft an, zum Jahresende 2010 existierten in Deutschland über 164.000 Verstecke.

Die moderne Schnitzeljagd in der Natur wird von vielen Institutionen angeboten, die es mit dem Schutz der Natur und dem Naturerleben ernst meinen. Die caches sind dort so abgelegt, dass sie nicht stören.

Bild: M. Knödler

 Das gilt auch für viele Privatcaches an Wanderwegen oder an Ortschaften, die z. B. von Familien bei Ausflügen genutzt werden. Geocaching ist dort naturverträglich und bringt Menschen in die Natur. Wo liegt also das Problem? Es liegt darin, dass caches je nach Terrain (T) nach Schwierigkeitsgraden (1-5) eingestuft sind. Die T5er liegen in schwierigem Gelände und sind oft nicht ohne Kletterausrüstung aufzufinden (Felsen, Steinbrüche, Stollen, Schächte, Höhlen, Bäume). Sportlich Ehrgeizige aus der ganzen Republik reisen oft weit an und suchen diese Verstecke bevorzugt auf, das Finden ist mit Renommée verbunden, ganze Heerscharen von cachern strömen insbesondere am Wochenende in die Natur, um dort oft mehrere caches zu suchen und dann im Internet über ihre Erlebnisse zu berichten. Was man dort nach Anmeldung im Netz lesen kann, lässt Vielen die Haare zu Berge steigen. Es werden Steinbrüche aufgesucht, für die Betretungsverbot besteht, Felsen mit Uhu- oder Wanderfalkenvorkommen werden zur Brutzeit beklettert. Caches finden sich mitten in Naturschutzgebieten (NSG), in denen abseits der Wege bzw. ein gänzliches Betretungsverbot (Kernzonen von Biosphärenreservaten) besteht. In unterirdische Fledermausquartiere, die dem Bergrecht unterliegen, steigen mit Scheinwerfern bewaffnet Geocacher ein. Dass sie dabei Fledermäuse aus dem Winterschlaf reißen können, Dachs oder Wildkatze stören, registrieren die Wenigsten. Während im schneereichen Winter 2010/2011 die Drückjagden teilweise ausgesetzt waren, um z. B. den Energieverbrauch der Tiere und damit die Schälschäden in Rotwildgebieten zu minimieren, stapfen zur gleichen Zeit Geocacher mit GPS-Geräten abseits der Wege selbst nachts durch den Wald auf der Jagd nach verborgenen Schatzkästchen.

Was ist zu tun? Die einzige kommunikative Verbindung der cacher ist das Internet, es existieren keine Verbände, wie z. B. bei der Jagd oder dem Naturschutz. Das Bundesamt für Naturschutz und der Deutsche Wanderverband, die Deutsche Wanderjugend und der Gerätehersteller GARMIN sowie zahlreiche naturschutzsensible Geocacher haben bereits zur Beachtung des Naturschutzes aufgerufen. Die Wirkung ist bisher kaum messbar. Allerdings wird das Thema zunehmend auch als Problem wahrgenommen.  Wirkungsvoller ist die Mitteilung an den Betreiber des Internetforums, dass gegen die Selbstverpflichtungen des Geocaching verstoßen wurde. Eigentums- und andere Rechte werden dort ernst genommen, die nicht ordnungsgemäßen Cach-Einträge gelöscht. Beschwerden von betroffenen Eigentümern oder Eigentümerverbänden (z. B. Rohstoffindustrie) oder über Behörden (Jagd- und Naturschutz) sind in der Regel effektiver als Beschwerden Dritter. Die Fa. Groundspeak hat mittlerweile u.a. angeboten, den Bundesländern accounts einzurichten, über die offizielle Stellen caches benennen können, die beispielsweise gegen Naturschutzrecht verstoßen und gelöscht werden sollen. Dort ist man sehr daran interessiert, dass Geocaching ordnungsgemäß abläuft.

Die Datenlage zur Fledermaus- und Vogelfauna sowie zur Lage der Schutzgebiete macht eine effektive Identifizierung möglich. Durch anonymisierte Zusammenstellung und Weitergabe aller relevanten Artvorkommen inkl. relevanter Schutzgebiete, Rotwildeinstände sowie im Betrieb befindlicher Gruben an den Internetbetreiber ließen sich caches in diesen Gebieten eliminieren, wenn das Behörden und Eigentümer wünschen.

Übrig bleiben die vielen caches, die irgendwo in der Natur, meist im Wald, versteckt sind. Es gibt für fast alle Wälder ein freies Betretungsrecht auch abseits der Wege. Parken Geocacher auf ausgewiesenen Waldparkplätzen und laufen dann querfeldein, ergibt sich daraus keine Handhabe. Cacher sind dann nicht anders einzustufen als beispielsweise Jogger oder Pilzsammler. Das Befahren gesperrter Wege ohne Genehmigung oder die Anbringung von caches auf Jagdkanzeln (am besten mit Hinweisschild zum Betretungsverbot) sind hingegen Verstöße, denen man begegnen kann.

Man kann nur empfehlen, cacher wie Jogger aufklärend – freundlich zu behandeln oder zu ignorieren. Durch cacher kann es zu ärgerlichen Störungen bei der Jagd kommen, zumal beide Gruppen bevorzugt am Wochenende aktiv sind, aber nur selten werden die Störungen derart massiv sein, dass sich die Jagd nicht mehr ausüben lässt. Durch Anmeldung auf der o. g. Internetseite können Jagdausübungsberechtigte die Lage von caches im eigenen Revier erkennen und mittels GPS aufsuchen. Mühsam ist das Auffinden nur bei Multicaches, bei denen mehrere Verstecke kettenartig in Verbindung stehen. Die Entfernung von caches in der Natur bringt nichts, da nicht aufgefundene Verstecke nach Internetkommunikation schnell wieder bestückt werden. Die vergebliche Suche entfernter caches führt zu zusätzlichren Störungen. Sinnvoll ist hingegen entweder die Kontaktaufnahme mit dem owner mit Problemschilderung und der damit verbundenen Bitte um cach-Verlegung oder notfalls die Verlagerung von Ansitz- oder Kirrstellen in cachfreie Bereiche. Und noch ein Wort zur Vorsicht und Erwartungshaltung: Geocacher können zu allen Uhrzeiten im Gelände erscheinen, sie laufen oft querfeldein und sie tragen meist keine Warnkleidung. Bekanntlich ist nicht jeder „schwarze Butzen“, der durchs Unterholz kriecht, eine Wildsau! Jagd und Jäger müssen sich einmal mehr im Eigeninteresse auf die für sie nicht immer nur erfreulichen Veränderungen in der Gesellschaft einstellen.

Welche Erfahrungen Jäger und andere Naturschützer in Deutschland mit dieser modernen Schatzsuche bereits gemacht haben, interessiert uns!

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9 Kommentare

  1. Johannes sagt:

    Hallo,
    ich finde Ihren Artikel sehr gut. Vor allem gefällt mir die Sachlichkeit.
    Wie ich bereits im letzten Blogeintrag kommentierte, würde ich jedem Revierinhaber empfehlen, sich mit dem Betreiber (Owner) eines störenden Caches über die Seite http://www.geocaching.org in Kontakt zu begeben und mit ihm das weitere vorgehen besprechen. Hierzu ist eine einmalige Anmeldung auf der Seite nötig. Cacher sind in der Regel sehr kommunikativ und scheuen den Kontakt nicht. Gerne sind die meisten bereit auch viel neues dazuzulernen. Außerdem lernt der naturverbundene Jäger/Forstmann so auch gleich naturverbundene Gleichgesinnte kennen und man kann sich Interdisziplinär austauschen.
    Alles in allem finde ich Ihren Artikel sehr informativ.

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  2. massafranz sagt:

    Danke für diesen sachlichen und unvoreingenommenen Artikel!

    In jeder Region finden mehr oder weniger regelmäßig Treffen und Stammtische von Cachern statt. So z.B. auch bei uns im Raum Würzburg das “Cachertreffen Würzburg Süd”.
    Die Termine sind über die genannte Plattform (geocaching.com) als sogenannte “Event Caches” zu finden.
    Erstellen Sie doch einfach ein Konto auf der Seite, suchen Sie Sich ein Event in Ihrer Gegend, und melden Sie Sich per “will Attend”-Log an.
    Sie werden sicher interessiert und freundlich aufgenommen.
    Mein angegebener Benutzername ist auch gleichzeitig mein bzw. unser Benutzername auf geocaching.com. Zumindest für unser regelmäßiges Treffen im Raum WÜ kann ich sagen, dass wir uns über gelegentliche Besuche von Jägern und Forstpersonal sehr freuen würden.
    Erstens um die doch teilweise noch bestehenden Berührungsängste abzubauen, und zweitens zum Austausch von Gedanken und Ideen.
    Es wird wirklich langsam Zeit, einen konstruktiven Kontakt aufzubauen und zu pflegen.

    liebe Grüße

    Franz Kalla (aka massafranz)

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  3. Ich habe inzwischen über 17oo Geocache gefunden und über 40 versteckt. Dabei habe ich höchstens 50 St. gefunden welche nicht über Wege erreichbar waren. Desweiteren gibt es bei geocaching.com reviewer welche Geocaches vor der Freischaltung ansehen und solche welche in NSG außerhalb von Wegen liegen nicht freischalten. Höhlencaches werden über den Winter aufgrund des Fledermasschutzes von nahezu allen Cachebesitzern geschlossen. Es gibt dort eine ganz gut funktionierende Selbstkontrolle.
    Am wichtigsten ist in ihrem Artikel die Dialogaufforderung. Ich habe z.B. in allen meinen Dosen meine Kontaktdaten hinterlassen.
    Trotzdem gibt es Jäger welche legal plazierte Dosen einfach entfernen. Das hat zum einen zur Folge das suchenden Geocacher viel mehr Schäden verursachen als nötig (umweltschonde Hinweise oder Fotos passen dann ja nicht) und zum anderen, das ich eine neue Dose ein paar Meter weiter verstecke. Möglichst so das dort kein allgemeinverständlciher Hinweis mehr im Text steht und die Jäger sie nicht mehr finden. Es bringt also gar nichst Dosen zu entfernen. Der offene Dialog ist da eindeutig besser. Zumindest wenn es nicht wie hier vor Ort abläuft. Dort verbieten Jagdausfseher den Aufenthalt im Wald, behauoten das es im dunkelen gefährlich wäre, wegend der Querschläger, oder das man mit Wild verwechselt werden könne. Dabei sind Wildschweine mit Lampe vermutlich eher selten.

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  4. [...] geschriebener Artikel über das Thema Geocaching aus Sicht der Jäger erschienen. Unter diesem Link könnt Ihr Euch selber ein Bild machen, was ich meine. Im Grunde rennt der Auto offene Scheunen- [...]

  5. Bei uns ist ein NSG mit Seeadlerhorst betroffen. Trotz Fahrverbot seitens des Landkreises und Sperrung der Wege durch das Forstamt (Beschilderung) wurde dort ein Cache platziert – und mehrfach gesucht. Stichwort Dialog: Ich habe im Geocaching-Forum darauf hingewiesen, interessiert dort niemanden.

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  6. Stern sagt:

    Das so oft zitierte “freie Betretungsrecht” gilt so uneingeschränkt nicht, denn es gibt eine ganze Reihe von einschränkenden und begrenzenden Bestimmungen, deren Verletzung mit z.T. empfindlichen Geldbußen geahndet wird. Zu nennen sind hier der § 2(2)NJagdG, §2(3) NJagdG, §19 a BJagdG, §23 NWaldLG, §31 NWaldLG.Die Geldbußen bei Verstößen gegen §2u.3 NJagdG z.B. können bis zu 25.000€ betragen. Ein Verstoß gegen § 19 BJagdG stellt sogar eine besonders schwerwiegende Ordnungswidrigkeit dar, was sich ebenfalls in der Höhe des Ordnungsgeldes niederschlägt. Ein Verstoß gegen den § 19 BJagd kann bereits dann vorliegen, wenn Wild gestört wird, dass nicht in seinem Bestand bedroht oder gefährdet ist.Das herumlaufen zur Nachtzeit in einem Rotwildkerngebiet z.B. ist mit Sicherheit als ein schwerwiegender Verstoß gegen den §19 BJagdG zu bewerten.Zu beachten sind ferner Begrenzungen des “freien Betretungsrechtes” während der Brut-u. Setzzeiten sowie in den Zeiten zwischen Einsaat und Ernte auf Landwirtschaftlichen Flächen.
    Ich empfehle jedem geocacher , sich mit den einschlägigen, z.T. auch regionalen, Vorschriften vertraut zu machen.
    Den Jagdausübungsberechtigten ist zu empfehlen, bei Verstößen deutlich und klar in der Sache und verbindlich im Ton zu sein und bei uneinsichtigen geocachern den gesetzlichen Rahmen auszuschöpfen.

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    • “Das Herumlaufen zur Nachtzeit in einem Rotwildkerngebiet z.B. ist mit Sicherheit als ein schwerwiegender Verstoß gegen den §19 BJagdG zu bewerten.”

      Sicher, dass mag so sein. Im Gegenzug sollten wir uns fragen, wie es sein kann, dass das Nachtverbot auf Rotwild regelmäßig aufgehoben wird. Muss Nachtjagd in reinen Waldrevieren sein?

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    • Taube sagt:

      “Das Herumlaufen zur Nachtzeit in einem Rotwildkerngebiet z.B. ist mit Sicherheit als ein schwerwiegender Verstoß gegen den §19 BJagdG zu bewerten.”

      Okay.
      Aber wieso ist dann ein solches Gebiet für mich nicht erkennbar?
      Ich bin oft im Wald, aber einen Hinweis auf ein solches Gebiet, oder gar eine Erklärung dazu habe ich noch nie gesehen …

      Wird´s da nicht Zeit, mal ein bisschen in die Kommunikation zu investieren?
      Oder lernt Ihr das nicht, wenn Ihr die Lizenz zum Töten (Jagdschein) macht?

      Grüße vom
      Hrdlicka

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  7. Wir haben das Problem “Geocaching und Natur” erkannt und veranstalten am 16. Juli ein Symposium zu diesem Thema. Mehr Infos und die Möglichkeit der Anmeldung gibt es unter http://www.ljv-nrw.de

    Dabei soll nicht übereinander, sondern miteinander geredet werden. Geocacher sind daher herzlich eingeladen.

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